Seminar im AUFBAUMODUL Literatur- und Kulturwissenschaft/
Performative Utopien?
Zum Geschwistermotiv bei Musil, Bachmann und Meinecke
Der Kurs widmet sich dem Verhältnis von Kultur und Literatur im Hinblick auf die Geschlech-tergeschichte. Er orientiert sich hierfür an Grundannahmen der Gender Studies und fokus-siert Kontinuitäten und Veränderungen in der literarischen Verhandlung von Geschwisterlichkeit. Ausgehend von Konzepten des Tabus, Modellen der Sozialisierung sowie der Performa-tivitätstheorie Judith Butlers werden Exzerpte von Romanen gelesen, die der klassischen Moderne und Popliteratur zuzurechnen sind. Sie nutzen das Bruder-Schwester-Verhältnis auf vielfache Weise – als exklusiven Raum des Verstehens von Kultur, als Möglichkeit zur Überschreitung und Dekonstruktion heteronormativer Verhaltensweisen, aber auch als inter-textuelles und intermediales Vehikel von Literarizität. Nach der Lektüre und Diskussion der Texte werden im Seminar die literaturgeschichtlichen Resultate zur Überprüfung der Aus-gangsannahmen herangezogen.
Erkenntnisleitende Fragen lauten: Wie stellt Literatur Kultur, in diesem Fall: Geschlechterstrukturen, dar? Welche Rolle kommt ihr als sozialer Akteur dabei zu? Gibt es Veränderungen und literaturgeschichtliche oder kontextuelle Gründe für die-se? Kann das (letztlich politische) Anliegen der Gender Studies aus der modernen Literatur einen argumentativen Nutzen ziehen? Wie wäre die Literarizität hierfür konzeptuell zu bedenken?
Textgrundlage ist Thomas Meineckes Musik (2007). Das Buch liegt bei Suhrkamp vor und kostet 10 Euro. Weitere Texte sind in Kopie vorhanden.
Dr. phil. Peter C. Pohl